Als ich das schulische Betriebspraktikum im Krankenhaus absolvierte, stand für mich felsenfest: ich werde Krankenschwester. Ich bekam ohne Probleme meinen Wunsch Ausbildungsplatz in einer großen psychiatrischen Klinik. Und da fing das Dilemma schon an. Die Schüler wurden zum Teil nicht gut behandelt und als billige Putzkräfte missbraucht und ex. Pflegekräfte gab es nie so viele wie man sie gebraucht hätte. Ich erinnere mich an echt schlimme Dienste, wo wir als Schüler fast alleine waren, weil irgendwer krank wurde. Im Gegensatz zu heute hat sich schon etwas verändert, so ist es nicht. Ich hatte damals ein Ausbildungsgehalt von knapp 600€, heute gibt im ersten Jahr fast das doppelte. Aber da hören die Verbesserungen auch schon fast auf. Denn das Personal wird immer weniger.

Seit Jahren haben Pflegeschulen Probleme ihr Kurse voll zu bekommen. Den Beruf von Pflegenden will kaum noch einer ausüben. Warum auch? Meistens schlecht bezahlt, ständig Überstunden, Feiertags – und Wochenendarbeit, ständige Anrufe in Urlaub und frei ob man einspringen könnte und körperlich und psychisch ist dieser Beruf eine schwere Belastung.

Menschen die sich freiwillig für so einen Beruf entscheiden, sind in den meisten Fällen vor allem eines: SOZIAL. Natürlich geht man hochschwanger arbeiten, weil ja keine Leute da sind. Rückenschmerzen? Krank? Egal, es kann doch niemand anders aus dem Team meinen Dienst übernehmen. Es wird zum Streik aufgerufen? Ja, geht leider nicht, dann sind meine Patienten alleine.

Menschen die in der Pflege arbeiten, machen vor allem eines: sie nehmen sich ständig und dauernd zurück. Fürs Team. Für den Chef. Für den Patienten. Was mit einem selbst ist, ist egal. Und genau das macht die Pflegenden handlungsunfähig. Keiner bekommt es hin zu sagen “ich bleib zu Hause. Ich bin krank.” Es ist sogar schon vorgekommen, dass sich eine Kollegin im Dienst übergeben hat. Sie hat weiter gearbeitet. Sie kann die Kollegen ja nicht im Stich lassen. Selten steht mal einer für sich selbst ein. Und wenn doch, hat das mit Sicherheit negative Konsequenzen.

Es muss dringend ein Umdenken stattfinden. Wir sind keine “Hinternabwischer” vom Dienst. Wir sind Menschen. Menschen mit Bedürfnissen, Wünschen, Hoffnungen und Zielen und wir haben es verdammt noch mal verdient, dass wir genauso Beachtung finden wie jeder andere auch. Nur weil unsere Arbeit am Wochenende und Feiertagen nicht ruht, heisst das noch lange nicht dass wir da gerne arbeiten. Nur weil das Gesundheitssystem so schlecht organisiert (bezahlt) ist, heisst das nicht, dass wir dadurch schlecht bezahlt werden sollten. Wir haben einen sehr anstrengenden Beruf mit sehr viel Verantwortung und das sollte auch anständig entlohnt werden. Arbeitgeber sollten endlich Umdenken und den Pflegenden die Dienste möglich machen, die gewünscht werden.

Ich arbeite genau aus dem Grund im einer Zeitarbeitsfirma. Meine Dienste werden so verteilt, wie ich es brauche. Ich kann Ostern, Weihnachten und Geburtstage ohne Probleme mit meinen Kinder verbringen und ich werde auch nicht dauernd genervt, ob ich einspringen kann. Und so sollte es eigentlich sein. In anderen Berufen kann darauf auch Rücksicht genommen werden. Warum bei uns nicht?

Corona kommt und plötzlich kommt von allen Seiten ein Dankeschön an die Pflege. Ganz ehrlich: könnt ihr euch sonst wo hin schieben. Ich habe schon immer gute Arbeit am Patienten geleistet, nicht erst seit Corona. Traurig, dass so eine Krise kommen muss, damit ihr merkt wie wichtig Gesundheit ist. Mal sehen wie viel der Politik nach der Krise die Pflege noch wert ist. Wieder zurück zum Alten. Wahrscheinlich. Und in der Zwischenzeit werden die Personaluntergrenzen ausgesetzt und die Krankenhäuser setzen wieder weniger Personal ein, da sie ja keine Strafe zahlen müssen. Was heisst das gerade jetzt nicht nur gespart wird. Nein, es wird auch wieder kräftig Personal verheizt. Bravo. So meistert man Krisen!

Ich hoffe ihr bleibt alle schön zu Hause und vor allem gesund.

Liebe grüße

Cizoba